Der Knopf von Köpenick

 

Am 16. Oktober 1906 verkleidete sich Friedrich Wilhelm Voigt, Sohn eines Schuhmachers und „genialer Kerl“[1], als Hauptmann des 1. Garde-Regiments zu Fuß, ließ den Bürgermeister der Stadt Cöpenick verhaften und raubte die Stadtkasse. Die Uniform des Hauptmanns von Köpenick bestand aus Teilen anderer Dienstkleidung, welche Voigt bei verschiedenen Händlern erworben hatte.[2] Ein Knopf dieser Uniform wurde bereits im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 an der Uniform des preußischen Pioniers Carl Klinke bei der Schlacht an den Düppeler Schanzen getragen. Klinke hatte sich im Verlauf des Gefechts, mit einem 30 Pfund schweren Pulversack beladen, gegen die Dänische Befestigung geworfen und mit den Worten „Ick bin Klinke, ick öffne dit Tor“, die Sprengladung gezündet. Der Knopf ist das Einzige, was nach der (siegreichen) Schlacht sicher Klinke zugeordnet werden konnte. Er wurde an dem für Klinke von Wilhelm Wandschneider errichteten Denkmal in Berlin-Spandau zum Gedenken an dessen Tat angebracht.[3] Im Dezember 1905 wurde der Knopf von der Statue entwendet und von einem Offizier im Zusammenhang der Ermittlungen als dem Vorfall von Köpenick zugehörig identifiziert.[4]

 

von Gesa Kortekamp

 

 


[1] Aussage Kaiser Wilhelms II. in: Daily Mail, 20.11.1906.

[2] Vgl. Schimmel, Ansgar: Der Geniestreich Köpenicks, Berlin 1923, S. 233-237.

[3] Vgl. Mäuselein, Manfred: Berliner Denkmäler, Berlin 1901, S. 107f.

[4] Vgl. „Voigts Verkleidung“ in: Berliner Morgenpost, 24.10.1906.