Neues Museum

Seit 2009 können die Besucher der Museumsinsel Berlin das wunderbare Zusammenspiel der ursprünglichen Architektur August Stülers aus dem 19. Jahrhundert mit der Restauration durch den Stararchitekten David Chipperfield nach den schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg bewundern. Das Neue Museum Berlin beheimatet das Ägyptische Museum, die Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte sowie Objekte der Antikensammlung.

 

Stadt als Archiv. Genau darauf legte Chipperfield Wert. Ein Besuch des Neuen Museums sollte am besten mit einer Architekturführung beginnen, in der deutlich wird, wie genau Chipperfield es verstand, alte, noch erhaltene Bausubstanz zu konservieren und diese durch neue zu ergänzen. Der Besucher kann, angeleitet durch die Führung, genau nachvollziehen, wie stark das Gebäude, an welchen Stellen beschädigt war oder im Umkehrschluss, was den Zertsörungen im Zweiten Weltkrieg und der daraufhin, durch die Löcher im Dach, hereinbrechenden Witterung standhalten konnte. So wird die alte Architektur Stülers geehrt, indem die neue Architektur Chipperfields lediglich ergänzt. Gleichzeitig wurde sie nicht künstlich neugeschrieben, indem man sie restaurierte, was dem ganzen Gebäude die Aura einer absoluten Authentizität verleit. Der Begriff der kollektiven Erinnerung findet im Rahmen dieser architektonischen Meisterleistung seine absolute Anwendung. Die Gleichzeitigkeit neuer und alter Architektur, neuer und alter Materialien und zweier verschiedener Entstehungsphasen lässt den Besucher die gesamte Geschichte des Museums auf einmal erleben und verbindet so die Erinnerungen Angehöriger unterschiedlicher Lebensalter. Dieses Gebäude fungiert so selbst als Träger der Geschichte und nicht nur als Präsentationsfläche für Geschichte.