Pergamon Museum

"Rings um uns hoben sich die Leiber aus dem Stein, zusammengedrängt zu Gruppen, ineinander verschlungen oder zu Fragmenten zersprengt, mit einem Torso, einem aufgestützen Arm, einer geborstenen Hüfte, einem verschorften Brocken ihre Gestalt andeutend, immer in den Gebärden des Kampfs, ausweichend, zurückschnellend, angreifend, sich deckend, hochgestreckt oder gekrümmt, hier und da ausgelöscht, doch noch mit einem freistehenden vorgestemmten Fuß, einem gedrehten Rücken, der Kontur einer Wade eingespannt in eine einzige gemeinsame Bewegung. Ein riesieges Ringen, auftauchend aus der grauen Wand, sich erinnernd an seine Vollendung, zurücksinkend zur Formlosigkeit. Eine Hand, aus dem rauhen Grund gestreckt, zum Griff bereit, über leere Fläche hin mit der Schulter verbunden, ein zerschundenes Gesicht, mit klaffenden Rissen, weit geöffnetem Mund, leer starrenden Augen, umflossen von den Locken des Barts, der stürmische Faltenwurf eines Gewands, alles nah seinem vermitterten Ende und nah seinem Ursprung."

 

Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

 

So beschreibt Peter Weiss den Pergamonaltar in "Die Ästhetik des Widerstands". Eine Beschreibung, die man erst begreift, wenn man vor dem gigantischen Bauwerk steht. Der hellenistische Altar steht im Pergamonmuseum in Berlin  ein eigens für ihn errichteter Museumsbau. Dort wird ausgestellt, was, nach der Zweckentfremdung des Altars als Material für das Errichten einer Stadtmauer, noch übrig geblieben ist.